Limburg, 23. Mai 2018 „Der Name ist Programm: ‚aufwärts! in der Altenpflege‘“ – das sagte Jörg Klärner, Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Limburg, beim Besuch des Gießener Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich, am 17. Mai 2018 im Diözesancaritasverband. Denn das einzigartige, innovative Ausbildungsprojekt qualifiziert Menschen, die als Ungelernte schon jahrelang in einer Altenhilfeeinrichtung in der Pflege tätig sind, zu Altenpflegefachkräften. Und das Beste dabei: Die Teilnehmer arbeiten weiter in der Einrichtung und bekommen ihr Gehalt. „Mit unserem Projekt aktivieren wir ein großes, schlummerndes Potenzial, wir sorgen so für mehr Fachkräfte und für qualifizierten, erfahrenen Nachwuchs in unseren Einrichtungen“, betonte Klärner. Drei Jahre dauert die Ausbildung, bei der die Mitarbeiter zuerst die einjährige Altenpflegehilfe-Ausbildung und anschließend eine zweijährige Altenpflege-Ausbildung absolvieren.
Das Besondere am Konzept: Die Teilnehmer lernen an ihrem Arbeitsplatz, in der Schule und in regionalen Gruppen – und können so das theoretisch Gelernte sofort in ihrer täglichen Arbeit umsetzen. Bei diesem Training on the Job erfolgen wesentliche Teile der Ausbildung am Arbeitsplatz durch besonders ausgebildete Praxisanleiter der Einrichtung.
„Ihr gelungenes Projekt zeigt, wie Europa bei uns ganz konkret Gutes bewirkt“, sagte der Regierungspräsident, der sich in der diesjährigen Europawoche im Mai verschiedene, von der EU geförderte Projekte anschaute. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel zeigte sich Ullrich überzeugt von „aufwärts!“: „Sie qualifizieren die Mitarbeiter in den Einrichtungen und bieten ihnen gute Perspektiven. Und so profitieren die Mitarbeiter selbst, aber auch die Einrichtungen, die ihr gutes Personal halten und qualifizieren können, und auch die Bewohner, die von Fachkräften betreut werden.“
Wie erfolgreich das ist, und dass die Unterstützung des Projekts mit EU-Fördermitteln eine gute Investition in die Menschen und die Pflege ist, davon konnte sich der Regierungspräsident Ullrich im Gespräch mit „aufwärts!“-Teilnehmern überzeugen. Die drei Pflege-Mitarbeiterinnen Jaqueline Engelsmann, Pia Limberger und Arieta Mehej-Hylei sowie Thomas Knoblau berichteten begeistert über „aufwärts!“ und ihre Motivation. „Eine Regelausbildung zur Altenpflegerin kam für mich nicht in Frage, weil ich das weder finanziell noch zeitlich schaffen würde“, sagte die 35-jährige Arieta Mehej-Hylei, die schon seit zwölf Jahren als Ungelernte in der Pflege arbeitet. „Es lohnt sich für die Einrichtungen, in uns zu investieren“, sagte Pia Limberger, „denn wir arbeiten regulär weiter, und weil wir schon in der Pflege tätig sind, haben wir eine ganz andere Motivation und wissen, warum wir diesen Beruf gerne machen.“ Thomas Knoblau betonte, dass die „aufwärts!“-Lehrkräfte und die Praxisanleiter der Einrichtungen schauen, wo in der Pflegepraxis noch weitere Unterstützung nötig ist. „Was fürs Lernen sehr bereichernd ist, sind die regionalen Gruppen“, ergänzte Jaqueline Engelsmann. Durch den Austausch und das gemeinsame Lernen lassen sich aus ihrer Sicht die Inhalte wesentlich intensiver und nachhaltiger erarbeiten.
Hintergrund:
Das Pilotprojekt „aufwärts! in der Altenpflege“ des Diözesancaritasverbandes Limburg haben 26 Teilnehmer von 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2015 absolviert. Das zweite Projekt startete am 1. Januar 2016 und endet am 31. Dezember 2018 mit 21 Teilnehmern. Das Projekt richtet sich an ungelernte Mitarbeitende, die mindestens zwei, häufig aber schon jahrelang in der Pflege tätig sind. Sie qualifizieren sich in zwei Phasen: mit der einjährigen Altenpflegehilfe-Ausbildung und anschließend mit der verkürzten zweijährigen Altenpflege-Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflegefachkraft. Finanziell unterstützt wurde das Pilotprojekt vom Hessischen Sozialministerium mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) sowie von den örtlichen Arbeitsagenturen mit Mitteln aus dem Programm WeGebAU; die Kosten für die Freistellung ihrer Mitarbeiter können die Einrichtungen über diese WeGebAU-Mittel kompensieren. Das zweite „aufwärts!“-Projekt wird finanziert aus Landesmitteln (Schulgeld), aufgestockt durch ESF-Mittel sowie ebenfalls mit WeGebAU-Mitteln.
Insgesamt wurde das Pilotprojekt gefördert mit Landesmitteln in Höhe von 257.500 Euro und ESF-Mitteln von knapp 234.000 Euro. Das zweite „aufwärts!“-Projekt wird voraussichtlich etwa 340.000 Euro aus Landesmitteln sowie etwa 247.000 Euro aus ESF-Mitteln erhalten.