Caritas im Bistum Limburg

Die Caritas im Bistum Limburg kann auf mehr als 115 Jahre Tradition zurückblicken.
Seit der Missionierung des Gebietes der Diözese Limburg im frühen Mittelalter gibt es zahlreiche Zeugnisse caritativen Wirkens: Insbesondere die verschiedenen Hospitäler nahmen sich der Kranken, Armen und Behinderten an, aber auch Pfarreien und Klöster organisierten Hilfen für Notleidende. Durch die Errichtung von mildtätigen Stiftungen, beispielsweise durch den Limburger Werner Senger, wurde die Unterstützung von Armen und Kranken institutionell nachhaltig gesichert.

Hinweis: "Die Geschichte der Caritas in Deutschland"

Die Geschichte im Überblick

19. Jahrhundert

Industrialisierung: Auslöser für starkes soziales Engagement

Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert führte zu starker sozialer Ungleichheit, wachsender Armut sowohl der ländlichen Bevölkerung, wie auch der sich neu bildenden Arbeiterklasse, zu einer starken Abwanderung vom Land in die Städte und insgesamt zu schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen für große Bevölkerungsteile. Diese Entwicklungen waren Anlass für zahlreiche Katholiken im Bistum Limburg, caritativ tätig zu werden: So gründete Katharina Kaspar aus Dernbach im Westerwald die Ordensgemeinschaft der "Armen Dienstmägde Jesu Christi", die in vielen Gemeinden des Bistums in der Krankenpflege, der Behindertenhilfe und der Kindererziehung tätig wurden.
In direkter Nachbarschaft in Montabaur gründete Ignatius (Peter) Lötschert die Ordensgemeinschaft der "Barmherzigen Brüder", die sich ebenfalls um Kranke, Arme und Alte kümmerte.
Mit der bistumsweiten Gründung von Vincenz- und Elisabethenvereinen wurde zudem das Laien-Engagement in der Caritas gestärkt. Beispielhaft wirkte der Frankfurter Stadtpfarrer Beda Weber, dem die langfristige Organisation der sozial-caritativen Arbeit ein Herzensanliegen war.
Der Limburger Kaufmann Peter Paul Cahensly schuf mit dem Raphaels-Werk ein wichtiges Hilfenetzwerk für die Auswanderer. Matthäus Müller, der "Don Bosco des Bistums Limburg", schaffte als Leiter der "Diözesan-Rettungsanstalt" und der "Diözesan-Idioten-Anstalt" bei Rüdesheim (das heutige St. Vincenzstift in Aulhausen) die "Zwangserziehung" junger Menschen ab und ersetzte sie durch eine humane Pädagogik. Er war einer der bedeutendsten Pioniere der Heimerziehung in Deutschland. Beide, Cahensly und Müller, unterstützten schließlich den gebürtigen Geisenheimer Priester Lorenz Werthmann maßgeblich bei der Gründung des Deutschen Caritasverbandes am 9. November 1897 in Köln sowie des ersten Diözesancaritasverbandes überhaupt, dem Diözesancaritasverband Limburg, am 30. November 1897.

1930er bis 1945

Nationalsozialismus: Restriktionen für die Caritasarbeit

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die Caritasarbeit in allen Bereichen stark eingeschränkt oder völlig untersagt. Die Haus- und Straßensammlungen wurden verboten. Zahlreiche Einrichtungen wie Kindergärten, Nähstuben, Heime der Jugendfürsorge und Behindertenhilfe oder Krankenhäuser wurden beschlagnahmt und zweckentfremdet, ihre Bewohner zum Teil ermordet. Trotz all dieser Restriktionen konnte Caritasdirektor Lamay im Jahr 1938 von fast 28.000 Caritasmitgliedern und 227 Pfarrcaritasausschüssen in der Diözese berichten. Bischof Antonius Hilfrich nahm im Limburger Dom zur Tötung der Geisteskranken mutig Stellung.

Nach 1945

Nach dem Krieg: Aufbau von Caritasstrukturen

Nach dem Krieg war die Caritas mit zahleichen neuen Aufgaben konfrontiert, insbesondere mit der Arbeit für die Heimatvertriebenen, Flüchtlinge aus der Sowjetzone, Jugendliche, Familien und alte Menschen. Neben dem bereits 1902 gegründeten Caritasverband Frankfurt sowie dem Caritasverband Wiesbaden (1947 als e.V. eingetragen) wurden sukzessive weitere "Kreiscaritasstellen" eröffnet: Diese sollten auf der Ebene der Landkreise den Sozial- und Jugendämtern sowie den anderen Wohlfahrtsverbänden als Partner in allen sozialen, gesellschaftlichen Belangen gegenüberstehen. Aus diesen Stellen entstanden zuerst unselbstständige Bezirkscaritasverbände, die sukzessive rechtlich selbstständig wurden: der Bezirkscaritasverband Wetzlar (1972), Limburg (1973), Westerwald (1978), Hochtaunus (1996), Main-Taunus (1996), Rheingau-Untertaunus (1996), Lahn-Dill-Eder (1997) und Rhein-Lahn (1997).

Mitgestaltung des Sozialstaats

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die aktive Mitwirkung bei der Ausgestaltung des Sozialstaats immer bedeutsamer: Um politische Entscheidungen beeinflussen zu können, hatten sich bereits 1924 während der Weimarer Republik die sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen zur "Liga" zusammengeschlossen, Ende des Zweiten Weltkriegs vereinbarten die Diözesancaritasverbände Limburg, Fulda und Mainz ihrer Zusammenarbeit in einer Arbeitsgemeinschaft, der "Hessen-Caritas". Ein ähnlicher Zusammenschluss erfolgte später auch auf rheinland-pfälzischer Ebene zur Arbeitsgemeinschaft der Caritasverbände in Rheinland-Pfalz (Diözesancaritasverbände Limburg, Mainz, Speyer, Trier). Da eine enge Kooperation und Abstimmung mit anderen Wohlfahrtsverbänden sinnvoll ist, arbeitet die Caritas mit den beiden hessischen Diakonischen Werken in der Caritas-Diakonie-Konferenz zusammen. Alle in Rheinland-Pfalz vertretenen sechs Wohlfahrtsverbände kooperieren überdies auf Länderebene in der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Lande Rheinland-Pfalz.

Eine aktive Rolle bei der Gestaltung des Sozialstaats übernahm die Caritas auch durch innovative Konzepte für die caritative Arbeit sowie durch den Auf- und Ausbau von neuen, wegweisenden sozialen Angeboten: Die Gründung der ersten Sozialstation in Hessen 1973 (Bad Camberg-Erbach), der Aufbau des Franziskushauses in Frankfurt als Hospiz für Aidskranke 1992 oder die Facheinrichtungen für Wohnsitzlose (beispielsweise das 1988 gegründete Walter-Adlhoch-Haus in Limburg) sind nur einige Beispiele für das pionierhafte Wirken der Caritas in dieser Zeit. Gleichzeitig mit vielen Neugründungen von Einrichtungen und Diensten wuchs die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter(innen). Sie beläuft sich heute auf mehr als 15.000 Personen in knapp 780 caritativen Einrichtungen und Diensten im Bistum Limburg.

1964 wurden die bis dahin getrennt abgehaltenen Diözesantage der unterschiedlichen Einrichtungsarten zum "Tag der Caritas" in der Limburger Kreuzwoche zusammengefasst. Bis heute ist dieser Tag die zentrale diözesane Veranstaltung der Caritas im Bistum Limburg: Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Caritas, aber auch interessierte Bürger, Politiker und Vertreter anderer Wohlfahrtsverbände diskutieren über verschiedene Themen aus Sozialpolitik und Verbandsarbeit sowie über neue Ansätze in der sozial-caritativen Arbeit.

Seit 2000

Verbandsentwicklung: Aufbau zukunftsfester Caritas-Strukturen

In 2000 startete der Diözesancaritasverband Limburg einen Organisationsentwicklungs-Prozess mit der Trennung der Arbeitsfelder in die Geschäftsbereiche "Spitzenverband", "Träger" und "Verwaltung". In 2001 leiteten der Diözesancaritasverband Limburg und seine Gliederungen einen Gesamt-Verbandsentwicklungs-Prozess ein, der auf eine nachhaltige und transparente Caritasstruktur in der Diözese zielte. Es sollten wirtschaftlich leistungsfähige, größere Einheiten entstehen, die Risiken auffangen und zugleich den Bürgern ein umfassendes Angebot "aus einer Hand" machen können. 2003 schlossen sich der Bezirkscaritasverbände Wetzlar und Lahn-Dill-Eder zusammen zum Caritasverband Wetzlar/Lahn-Dill-Eder, und in 2004 entstand der Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn aus den beiden Bezirkscaritasverbänden Westerwald und Rhein-Lahn. 2007 schlossen sich der Caritasverband Wiesbaden und der Bezirkscaritasverband Rheingau-Untertaunus zum neuen Caritasverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus zusammen.

Mit der Unterscheidung der Funktionen von Spitzenverband, Verwaltungsdienstleister und Träger von Einrichtungen hatte der Diözesancaritasverband zuvor die Voraussetzungen für die Abgabe seiner Einrichtungen an die regionalen Caritasverbände geschaffen.
Das "Pilotprojekt Rheinland-Pfalz" wurde mit Übertragung der rheinland-pfälzischen Einrichtungen des Diözesancaritasverbandes an den Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn zum 1. Januar 2005 abgeschlossen; die verbliebenen fünf hessischen Einrichtungen wurden zum 1. Januar 2009 an den Caritasverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus sowie das St. Vincenzstift in Aulhausen abgegeben.

Der Diözesancaritasverband konzentriert sich auf seine Funktion als Dach- und Spitzenverband; dies bildet sich seit Juli 2009 in der Geschäftsstelle ab: mit der Direktion und den drei Geschäftsbereichen "Wirtschaft, Personal, Aufsicht", "Soziale Dienste und Einrichtungen" sowie "Gemeindecaritas und Bildung". Im Bistum Limburg gibt es insgesamt sieben Orts- und Bezirkscaritasverbände: die Caritasverbände für den Bezirk Limburg, Main-Taunus und Hochtaunus, die Caritasverbände Frankfurt, Westerwald-Rhein-Lahn, Wetzlar/Lahn-Dill-Eder sowie Wiesbaden-Rheingau-Taunus.